USA Goddamm
Dieses Jahr werden die USA 250 Jahre alt und ich habe etwas Angst davor, wie das unter der derzeitigen Regierung gefeiert werden wird. Nichtsdestrotrotz habe ich in der letzten Zeit einiges zu den USA gehört, gelesen und geguckt.
Wird nicht unbedingt Teil von dem sein, was man zum Jubiläum dieses Jahr von offizieller Seite sehen, lesen oder hören wird; ich empfehle es trotzdem:
Missisissippi Goddamm
Nina Simone hat ihren "first civil rights song" im Jahr 1964 zum ersten Mal vor Publikum gespielt. Es ist eine Reaktion auf eine Reihe von rassistisch motivierten Morden an Schwarzen im Süden der USA Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts.
Der Auftritt 1964 in der New Yorker Carnegie Hall ist ganz großartig:
"You don't have to live next to me
Just give me my equality
'Cause everybody knows about Mississippi
Everybody knows about Alabama
Everybody knows about Mississippi, goddam!"
America's unfinished revolution
Die Zeit direkt nach Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs wird Reconstrucion genannt und nachdem ich in einigen Podcasts (siehe unten) über die Zeit gehört habe inkl. einer Empfehlung für dieses Buch, habe ich es mir gekauft. Es gefällt mir bislang ganz gut:
Reconstruction: America's Unfinished Revolution, 1863–1877 von Eric Foner, Updated Edition von 2014.
Im ersten Kapitel zitiert der Autor einen Reisanbauer aus South Carolina, der einige Monate nach dem Krieg erstaunt feststellte:
"I believed, these people were content, happy and detached to their masters. But if this were the case, why did the slaves desert their masters in their moment of need and flocked to an enemy whom they did not know?"
Ja, warum wohl...?
Amerika Verstehen
Auf den Historiker Volker Depkat bin ich zum ersten Mal in der Podcast-Reihe "Der neue Westen" aufmerksam geworden, für die er Gast der ersten Episode zur Frage Gehören die USA jetzt nicht mehr zum Westen? war. Ich habe in der sehr hörenswerten Episode gelernt, dass sich die USA eigentlich nur einen relativ kurzen Moment ihrer bald 250-jährigen Geschichte als Teil dessen verstand, was wir normalerweise unter Westen verstehen. Ich mag solche historischen Einordnungen von Dingen, die wir oft als etwas ansehen, was es schon immer gab, nur weil es die letzten paar Jahrzehnte Bestand hat.
Daher war ich sehr froh, als ich vom neuen Podcast des Deutschlandfunk "Amerika Verstehen" hörte, in dem jeden Samstag abwechselnd zwei Hosts mit Volker Depkat ein Thema besprechen und historisch einordnen, das die USA von heute prägt. In der aktuellen Folge geht es um die Macht der christlichen Nationalisten:
Mississippi Burning
Ich habe den Film von 1988, in dem ein tatsächlich stattgefundener Mord an amerikanischen Bürgerrechtlern in US-Bundesstaat Mississippi verarbeitet wird, vor Ewigkeiten gesehen und ich weiß noch, dass ich damals ziemlich beeindruckt war und mir kaum vorstellen konnte, dass derlei wirklich in den USA der 1960er Jahre passieren konnte.
Nachdem ich sehr viel mehr über die USA gelesen, gesehen und gehört habe, kann ich mir das mittlerweile sehr viel besser vorstellen. Sehenswert finde ich den Film immer noch, auch wenn ich manche Kritik an der Inszenierung nachvollziehen kann.
Die Geschichte des Ku Klux Clan
Ich habe verrückterweise so richtig erst letztes Jahr über einen Besuch der beiden Hosts bei einem meiner Lieblings-Podcasts "Conan O'Brien Needs a Friend" von dem sehr erfolgreichen Geschichts-Podcast The Rest is History gehört.
Seitdem höre ich die neuen Episoden recht regelmäßig, so auch die kürzlich veröffentlichte Geschichte des Ku Klux Clan, die "Most Infamous Terror Group in American History".
Hier die erste Folge der Reihe, die aus insgesamt vier Episoden besteht:
Dass ich bei einem solch düsteren und schrecklichen Thema trotzdem auch immer wieder lachen konnte, ist schon sehr erstaunlich. Herzlichen Dank an die beiden Hosts, die das ganz großartig machen.
Real Americans
Und schließlich noch ein aktueller Roman, der mir sehr gut gefallen hat: Real Americans von Rachel Khong. Der Roman erzählt die Geschichte einer Familie chinesischer Einwanderer bzw. ihrer Nachkommen. Er ist wunderbar geschrieben und dazu noch sehr aktuell angesichts der Frage, wer oder was heutzutage eigentlich echte US-Amerikaner*innen sind.