Mehr Arbeiten
Von Friedrich Merz hören wir diesen Satz oder ähnlich bereits seit gefühlt den Achtzigern des letzten Jahrtausends:
„Wir müssen in diesem Land wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten. Mit Vier-Tage-Woche und Work-Life-Balance werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten können.“
Und auch Lars Klingbeil hat nun in einer vielzitierten Rede bei der Bertelsmann Stiftung am 25. März über Arbeit gesprochen:
"Wenn ich über grundlegende Veränderungen spreche, dann heißt das auch: Wir werden als Gesellschaft insgesamt mehr arbeiten müssen. Und ich möchte, dass wir eine Debatte über den Arbeitsmarkt führen. Aber sachlich. Nicht populistisch."
Der Ton des Finanzministers ist zwar ein anderer als beim Bundeskanzler. Sachlichkeit ist eh sein zweiter Vorname. Und er sagt "wir als Gesellschaft" und nicht ausschließlich jede*r Einzelne von uns und fügt im weiteren Verlauf seiner Rede hinzu, dass es natürlich Gründe gibt, warum Menschen in Deutschland nicht mehr arbeiten, also vor allem Frauen, die ungewollt in Teilzeit verharren.
Und trotzdem ist der Grundtenor bei Klingbeil der selbe: Arbeit ist vor allem eine Frage der Quantität, der Anstrengung. Es geht ihm vor allem um "Menschen, die jeden Tag früh morgens aufstehen, Überstunden schieben und sich nebenbei noch um Kinder, Angehörige, Sportverein und Nachbarschaft kümmern"
Natürlich sagt Klingbeil das vor allem, weil die SPD sich wieder stärker auf die arbeitende (um nicht zu schreiben "hart arbeitende) Bevölkerung fokussieren will, und nicht als Partei der Transferleistungen angesehen werden will (als ob das ein Widerspruch ist, aber gut, anderes Thema).
Aber inwiefern dieser Fokus auf "viel ist gleich gut" ein überholter Arbeitsbegriff ist, den man in Zeiten von KI überdenken sollte, darüber sprechen wir in unserem Digital-Podcast 9vor9 mit Peter M. Wald, Professor für Personalmanagement der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig.
Und vielleicht wäre es ja, auch dank KI irgendwann möglich, dass wir eben nicht, wie Lars Klingbeil oben beklagt, uns nur "nebenbei", also neben der ganzen langen Arbeit um Kinder, ältere Angehörige oder auch ums Ehrenamt kümmern könnten, sondern dass wir dafür die nötige Zeit hätten. Denn das Problem, dass dafür immer weniger Zeit bleib t, wird natürlich nicht dadurch gelöst, dass wir alle einzeln und gemeinsam immer mehr arbeiten.
Aber vielleicht ist das dann doch zu utopisch.